• Heike Gehrmann

Zu Besuch bei Cecilie

Aktualisiert: Juli 17



Nachdem ich die Glienicker Brücke nur wenige Tage nach meinem Umzug nach Potsdam aufgesucht hatte, weil ich diese spannende Location des Kalten Kriegs "in natura" erleben wollte, stand Schloss Cecilienhof auf meiner Agenda. Eine ebenso historisch bedeutsame Stätte in Potsdam. Aber nicht etwa, weil das letzte preußische Kronprinzenpaar Wilhelm und Cecilie in diesem Tudor-Schloss lebte und nach der Abdankung des Kaisers 1918 das stattliche Gebäude 1926 vom Staat als Privateigentum zurückerhielt, wo es bis zur Flucht 1945 wohnte.


Sichtbares Zeichen "für die neuen Machtverhältnisse" in Cecilienhof war auf dem Rasen des Ehrenhofs ein aus roten Geranien gepflanzter Stern, den sowjetische Soldaten 1945 anlegten - für die "Berliner Dreimächte-Konferenz", auf der von 17. Juli bis 2. August das Schicksal Nachkriegs-Deutschlands beschlossen wurde.


Die in jenen Sommertagen 1945 in die Geschichtsbücher als "Potsdamer Konferenz" eingegangenen Verhandlungen wurde von den drei alliierten Siegermächten - zugleich Anti-Hitler-Koalition - ins Leben gerufen: Sowjetführer Stalin kam für die UdSSR, Präsident Truman für die USA, und Premierminister Churchill bzw. nach seiner Abwahl dann Attlee erschien für Großbritannien am Verhandlungstisch.


Die Großen 3 in Potsdam: der britische Premier Churchill, US-Präsident Truman und rechts Sowjetführer Stalin

Und Frankreich? Fehlte. Man sah sich das Ganze in Paris lieber „aus der Distanz an - da Frankreich von Hitler ab 1940 ja besetzt war und so nicht wirklich als Siegermacht zählte.


So saßen also "die Großen 3“ an dem mit ihren Landesflaggen geschmückten Runden Tisch in der holzgetäfelten, zum Konferenzsaal umfunktionierten Wohnhalle des Schlosses Cecilienhof und legten „die berühmten 4 D's" fest (vgl. Görtemaker, Potsdamer Konferenz, 83f.). Dies waren

De-nazification

De-militarization

De-mocratization

De-centralization

Als "5.D" sollte noch die De-Montage erwähnt werden, die es den Siegermächten erlaubte, ganze Industrieanlagen in ihren jeweiligen Besatzungszonen abzubauen und ins eigene Land zu verbringen - was vor allem die UdSSR in der SBZ dann reichlich tat.


Das Kernanliegen der o .g. Grundsätze war die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen. "Jede der vier Großmächte USA, UdSSR, England und Frankreich sollte politische Handlungsfreiheit in ihrer Zone erhalten. In Verbindung mit dem Prinzip der Einstimmigkeit der Entscheidungen im Alliierten Kontrollrat bedeutete diese Formulierung, dass die einzelnen Besatzungsmächte in ihren Zonen in der Lage waren, eine völlig eigenständige Politik zu betreiben, ohne dass der Kontrollrat sie daran hindern konnte "(Görtemaker, Potsdamer Konferenz, 84).


Damit war die Basis für das Auseinanderdriften der Alliierten und somit für die spätere Spaltung Deutschlands gelegt.


Die Berliner Mauer: Resultat gescheiterter Verhandlungen der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945

Der Potsdamer Konferenz vorausgegangen war die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Hitler-Deutschland am 8. Mai 1945, die Verhaftung der Geschäftsführenden Reichsregierung am 23. Mai und dann am 5. Juni die "Berliner Deklaration" und Feststellung der Besatzungszonen sowie die Einsetzung eines Alliierten Kontrollrats, der offiziell die Regierungsgewalt in Deutschland übernahm.


Teilung Deutschlands nach 1945 in vier Besatzungszonen - im Land wie in Berlin

Bereits während des Zweiten Weltkriegs hatten sich "die Großen 3“ der Anti-Hitler-Koalition zu Konferenzen in Teheran und auf der Krim in Jalta getroffen. Gemeinsames Ziel der Verbündeten war, zur Eindämmung einer erneuten Kriegsgefahr ein Wiedererstarken Deutschlands zu verhindern. Zugleich rangen die Alliierten aber schon damals um ihre künftigen Einflusszonen auf dem europäischen Kontinent. Churchill, Roosevelt und Stalin stritten also schon vor der Potsdamer Konferenz um die Zukunft der ehemaligen deutschen Satellitenstaaten in Zentral- und Südosteuropa. Der Ost-West-Gegensatz, später offiziell als Cold War - Kalter Krieg bezeichnet, begann somit bereits vor den Verhandlungen in Cecilienhof.



Die Polen-Frage: Thema der Alliierten Siegermächte bereits im Februar 1945 in Jalta

Dort war im Sommer 1945 neben der Neuordnung Deutschland auch die "Polen-Frage" wieder ein Schwerpunkt. Churchill und Truman lehnten die von Stalin und Polen geforderte Übertragung der Gebiete östlich der Oder und Lausitzer Neiße ab. Sie konnten sich eine Ausdehnung Polens höchstens bis zur Oder vorstellen, aber nicht weiter.


Truman wies auf den deutschen Charakter der Gebiete an Oder und Neiße und auf die neun Millionen Deutschen hin, die dort ansässig waren. Auch Churchill betonte, dass es für Polen nicht gut sei, "soviel deutsches Gebiet zu übernehmen". Die Umsiedlung von acht bis neun Millionen Deutschen würde, so der britische Premier, eine "schwere moralische Verantwortung für die Siegermächte bedeuten" (vgl. Görtemaker, Potsdamer Konferenz, 85)


Die Verhandlungsergebnisse aus Potsdam hatten letztendlich dann aber doch die Zwangsumsiedlung von Millionen Deutschen und Polen zur Folge.


Somit markiert die Potsdamer Konferenz zum einen das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa - zum anderen den Beginn des Kalten Kriegs. Hatten die "Großen 3" als Verbündete der Anti-Hitler-Koalition anfangs vielleicht noch gemeinsame Ziele hinsichtlich des darnieder liegenden Deutschlands, so muss man ihre gemeinsame Besatzungspolitik im Nachhinein als gescheitert betrachten.



In diesem Zusammenhang interessant ist das Buch "Die Teilung der Beute" von Charles L. Mee aus dem Jahr 1975. Er beschreibt die Potsdamer Konferenz en detail und kommt zu dem Schluss, dass hier die „große Politik“ in Gestalt von Stalin, Truman und Churchill bzw. Attlee leichtfertig über das Schicksal ganzer Völker bestimmte. Und während es in Potsdam vordergründig um eine friedliche Neuordnung Europas ging, bestimmten im Hintergrund nationale Interessen, Reparationszahlungen, Sachwerte, Territorialgewinne und der Kampf um Einfluss-Sphären die Verhandlungen.


Rückblickend nach 28 Jahren deutscher Teilung und Berliner Mauer muss man sagen: Der Mann hatte verdammt Recht.



Anlässlich des 75. Jahrestags

der Potsdamer Konferenz 1945

findet bis 1. November 2020

im Schloss Cecilienhof in Potsdam eine

Ausstellung unter Schirmherrschaft des

deutschen Außenmininsters Heiko Maas statt.




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