• Heike Gehrmann

Neue Männer braucht das Land

Aktualisiert: Mai 13




Das Wohnzimmer ist noch abgeschlossen. Schnell einen Blick durchs Schlüsselloch erhaschen. Lichterglanz erhellt den Raum. In der Mitte steht eine prächtig geschmückte Tanne. Die Kinder im Flur sind außer Rand und Band. Gleich wird sich die Tür öffnen. Und dann dürfen sie hinein ins Wohnzimmer. Da …


… poltert es plötzlich draußen im Dunkel der Heiligen Nacht. Und dann klopft es an die Terrassentür im Wohnzimmer. Die Eltern öffnen. Im Türrahmen ein großer Mann: Von Kopf bis Fuß in einen roten Mantel „mit weißen Kanten“ gekleidet, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Nur ein langer weißer Bart schaut heraus. Über die Schulter hat er einen großen Jutesack geworfen. Der scheint mächtig schwer zu sein! Kein Wunder, denn die Kinder waren übers Jahr „schön brav“. Und daher fallen die Geschenke größer aus, die der Mann im roten Gewand nach einer Geschichte aus dem goldenen Buch an die staunenden Kinder neben dem geschmückten Baum verteilt.


Haben Sie gerade glänzende Augen bekommen? Vielleicht weil bei Ihnen früher auch der Weihnachtsmann zu Gast war? Und Sie sich daran so gern zurückerinnern? Und dieses Erlebnis gern auch Ihren Kindern zuteil lassen würden?


Doch das ist heute leider kompliziert. Denn die Weihnachtsmänner werden mehr und mehr zur „Mangel-Escheinung“. In Berlin, Brandenburg, ja sogar im ganzen Land. Schon 2018 wurde von den Brandenburger Arbeitsagenturen und Jobcentern die Vermittlung von Weihnachtsmann-Jobs eingestellt, verkündete im letzten Winter die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg. „Den Bedarf müssten interessierte Kunden nun selbst decken“.


Nur wie? Denn auch die Studentenwerke in Berlin und Potsdam haben die Vermittlung eingestellt. Nicht mehr möglich, so die Verlautbarung - wegen zu geringer Bewerberzahl.


Weihnachten daher ausfallen lassen?

Bitte nicht! Denn es gibt Hoffnung in der dunklen Winternacht – und auf Google unter dem Suchbegriff „Weihnachtsmann.“ So haben unter anderem zwei Berliner Ex-Weihnachtsmänner eine Online-Plattform gegründet: www.weihnachtsmann2go.de. Diese ermöglicht es, Weihnachtsmännern und Familien in Berlin und Umgebung, sich schnell und einfach zu vernetzen. Die beiden Gründer wissen, was sie tun. Sie haben in der Studienzeit weit über hundert Familien an Heiligabend in Berlin beschert.


Wie die Plattform funktioniert? Wie die heute allseits bekannten Dating-Plattformen: Familien können hier direkt mit den Weihnachtsmännern in ihrer Nähe Kontakt aufnehmen. Nach Eingabe der Adresse werden potenziellen Weihnachtsmann-Kandidaten und -Kandidatinnen angezeigt. Anhand von Profilbildern und der Beschreibung kann dann der Wunschweihnachtsmann ausgewählt und angefragt werden. Der Preis für Weihnachtsmann oder -Frau richtet sich nach gewählter Uhrzeit, Einsatz-Ort und der Anzahl der zu bescherenden Kinder.


Bleibt nur noch der Wunsch der Plattformbetreiber: mehr Mitarbeiter! Gern Freiberufler, die in den nächsten Tagen flexibel einsatzbereit sind. Denn in Berlin und Brandenburg warten viele Kinder schon sehnsüchtig darauf, dass es in der dunklen Heiligen Nacht auch bei ihnen erst laut poltert und dann an der Tür klopft.



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